Immer wieder kommen Mitglieder mit Fragen zur Finanzierung des Clubs auf den Vorstand zu: Wie finanziert sich der BHC eigentlich? Warum sind bei Turnieren Elternbeiträge und Buffetspenden wichtig? Und wie werden die Bundesliga-Mannschaften unterstützt?
In dieser Ausgabe vom KLARTEXT ordnet Vorstandsmitglied Sarat Maitin ein, wie der Club finanziell aufgestellt ist, welche Aufgaben aktuell anstehen und warum Vereinsleben mehr ist als ein Mitgliedsbeitrag.
Sarat, immer wieder gibt es Fragen dazu, wie sich der BHC finanziert. Warum ist dir dieser KLARTEXT wichtig?
Weil ich merke, dass viele Mitglieder sich für diese Themen interessieren – und dass es dazu verständlicherweise Fragen gibt. Wie finanziert sich ein Club wie der BHC? Welche Rolle spielen Mitgliedsbeiträge, Sponsoring, Spenden oder Fördergelder? Warum sind Turniere sportlich wichtig und tragen zugleich zur Finanzierung des Clubbetriebs bei?
Ich finde es gut, wenn Mitglieder nachfragen. Denn der BHC ist kein anonymer Betrieb, sondern ein Verein. Je besser wir gemeinsam verstehen, wie der Club funktioniert, desto besser können wir auch gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Der BHC kann sich gerade über viele positive Entwicklungen freuen. Wie ordnest du das ein?
Ja, es bewegt sich viel, und das ist sehr erfreulich. Die 1. Damen haben den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga gesichert, die 1. Herren sind in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Unsere Hockey- und Tennis-Jugend wächst, die Padel-Courts sind stark gefragt – auch bei Gästen von außerhalb. Auch unser Fitnessbereich wird verlässlich genutzt und ist für viele Mitglieder ein wichtiger Teil ihres Cluballtags. Das CLUBHOUSE ist dank Ediz und seinem Team wieder ein lebendiger Mittelpunkt des Clublebens geworden. Und unser Sportinternat hat gerade seinen ersten kompletten Jahrgang verabschiedet.
Kurz gesagt: Der BHC entwickelt sich sportlich und als Club sehr positiv.
Was bedeutet das für den Verein?
Solche Entwicklungen entstehen nicht von allein. Sportlicher Erfolg, wachsende Jugendbereiche und ein lebendiges Clubleben sind nur möglich, wenn man kontinuierlich daran arbeitet und den Club Schritt für Schritt weiterentwickelt. Das gilt besonders für unsere vereinseigene Anlage. 30.000 Quadratmeter zu betreiben, zu pflegen und instand zu halten, ist eine kontinuierliche Aufgabe. Hier muss man dauerhaft dranbleiben.
Und was bedeutet das finanziell?
Es bedeutet: Der BHC braucht eine verlässliche Basis für den laufenden Betrieb – und zusätzliche Spielräume für größere Aufgaben. Mitgliedsbeiträge sichern den Basisbetrieb, also Training, Anlage und Personal, aber auch Zinsen und Tilgungen vergangener Investitionen. Diese Basis ist allerdings knapp kalkuliert. Sie reicht für den laufenden Betrieb, lässt aber kaum Spielraum für größere Sonderausgaben oder zusätzliche Investitionen. Hinzu kommt: Inflation, steigende Löhne und höhere Energiepreise haben den laufenden Betrieb in den vergangenen fünf Jahren spürbar verteuert. Dadurch ist der finanzielle Spielraum zusätzlich kleiner geworden.
Dazu kommen Einnahmen aus unseren Camps und Turnieren sowie aus der Vermietung der Padelplätze und der Tennishalle. Gerade Jugendturniere zeigen gut, wie Verein funktioniert: Wenn Eltern Standdienste übernehmen oder Essen für das Buffet beisteuern, hilft das bei der Turnierausrichtung. Zugleich entstehen dadurch Überschüsse, die beispielsweise bei der Finanzierung des Trainingsbetriebes helfen. Anders gesagt: Weil viele mithelfen, kommen wir als Club an dieser Stelle klar.
Darüber hinaus spielen Spenden, Sponsoring und Fördergelder eine wichtige Rolle – allerdings auf unterschiedliche Weise. Es gibt Spenden, die den allgemeinen Betrieb unterstützen, und Spenden, die gezielt für die Bundesliga-Mannschaften gegeben werden. Darüber hinaus spielt Sponsoring eine zentrale Rolle im Bundesliga-Bereich und in der Unterstützung des Leistungssports.
Die Fördergelder der Stadt Bremen sind wiederum an Investitionen gebunden. Sie helfen also nicht beim laufenden Betrieb, sondern bei konkreten Projekten. Und auch dort gilt: Gefördert wird maximal ein Teil der Kosten. In der Regel muss der Club mindestens die andere Hälfte selbst aufbringen.
Klartext, wo steht der BHC gerade finanziell?
Der laufende Betrieb ist grundsätzlich finanziert. Die Herausforderung liegt aktuell darin, dass mehrere größere Sonderposten gleichzeitig anstehen, die wir nicht einfach aus dem normalen Haushalt auffangen können.
Da ist zunächst eine Überbrückungsfinanzierung von rund 100.000 Euro, die noch aus der Modernisierung der Heizungsanlage stammt und nun abgelöst werden muss.
Dazu kommen unaufschiebbare Investitionen in unsere Anlage: Das Bewässerungssystem für Hockey- und Tennisplätze braucht neue Brunnen, Pumpe und Wasserfilter – das sind rund 60.000 bis 70.000 Euro. Die Abwasserpumpe muss ersetzt werden, weitere 5.000 bis 8.000 Euro. Fassade und Fenster unseres Clubhauses sind sanierungsbedürftig – rund 30.000 bis 40.000 Euro. Der Hallenboden der Mehrzweckhalle muss neu versiegelt werden. Und die Damentoilette im Clubhaus steht ebenfalls auf der Liste – zusammen noch einmal rund 15.000 Euro.
Bei Fassade und Hallenboden gilt: Wenn wir das jetzt nicht angehen, entstehen Folgeschäden, die am Ende teurer werden.
Insgesamt reden wir über eine sechsstellige Summe. Das ist viel – und gleichzeitig ist es das, was eine Anlage wie unsere braucht, wenn man sie in Schuss halten will.
Welche Rolle spielt die Bundesliga dabei?
Die Bundesliga-Teilnahme unserer 1. Mannschaften ist für uns kein Prestigeprojekt. Es geht nicht in erster Linie um Außenwirkung. Entscheidend ist, dass junge Spieler:innen hier in Bremen die Möglichkeit haben, leistungsorientiert Hockey zu spielen – auf hohem Niveau, im eigenen Club, in ihrer Stadt. Wir machen das für unseren Nachwuchs. Dafür braucht es Mannschaften, an denen sich junge Talente orientieren und entwickeln können.
Gleichzeitig ist Bundesliga-Hockey mit zusätzlichen Kosten verbunden. Deshalb ist uns wichtig, das klar einzuordnen: Mitgliedsbeiträge sichern den Regelbetrieb und die gemeinsame Clubinfrastruktur. Zusätzliche Aufwendungen rund um den Bundesliga-Spielbetrieb werden über Sponsoring und zweckgebundene Unterstützung finanziert.
Wie geht ihr als Vorstand die aktuelle Situation an?
Wir verfolgen mehrere Wege gleichzeitig. Erstens haben wir Fördergelder bei der Stadt Bremen beantragt – das ist ein wichtiger Baustein, auch wenn wir deren Höhe nicht selbst bestimmen können. Zweitens arbeiten wir daran, das Sponsoring rund um unsere Bundesliga-Mannschaften auszubauen. Drittens schauen wir intern genau hin, wo wir Kosten optimieren können, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.
Und viertens kommt die Säule, auf die ich am meisten setze: das Engagement aus dem Kreis der Mitglieder. Menschen, die mitdenken, mithelfen, Kontakte einbringen und den Club aktiv mitgestalten. Das hat den BHC schon immer stark gemacht, und das gehört zum Kern dessen, was uns als Verein ausmacht.
Zum Abschluss: Was willst du den Mitgliedern mitgeben?
Dass wir an allen Fronten daran arbeiten, diese Aufgaben zu lösen – und dass es unser gemeinsames Ziel ist, dass der BHC das bleibt, was er ist: ein lebendiger Club mit einem breiten Angebot für Hockey, Tennis, Fitness, Padel und unseren Nachwuchs. Das soll erhalten bleiben und sich weiter positiv entwickeln.
Gleichzeitig wäre es nicht ehrlich zu sagen, dass das einfach ist. Deshalb ist uns Transparenz so wichtig. Wir möchten mit diesem KLARTEXT offen erklären, welche Aufgaben vor uns liegen, welche Möglichkeiten wir prüfen und welche Fragen wir als Verein gemeinsam diskutieren müssen.
Lieber Sarat, vielen Dank für das offene Gespräch.
Das Interview führte Anne Günter.